Zukunft der Medien – mehr zum Thema

Gestern abend bei einer mit Spannung erwarteten und gut besuchten Podiumsdiskussion im Frankfurter Kommunikationsmuseum, hochrangig besetzt mit Moderator Kai-Hinrich Renner, Medienredakteur beim Hamburger Abendblatt; Uwe Vorkötter, CR der Frankfurter Rundschau; Christoph Amend, Redaktionsleiter ZEITmagazin; Thomas Knüwer, Reporter beim Handelsblatt und Autor des Blogs ‘Indiskretion Ehrensache’; undFrank Thomsen, CR von stern.de

Kurzweilige Diskussion mit sehr unterschiedlichen Akvititätsanteilen (meine Schätzung: Knüwer 60%, Amend 25%, Vorkötter 10% und Thomsen 5%), mit am Ende allerdings doch recht enttäuschendem Erkenntnisgewinn, der etwa so lautete: Wir alle glauben daran, dass es auch in ein paar Jahren noch Journalismus geben wird; in welcher Form die Produkte dieses Journalismus vertrieben werden (Papier? Kindle? Anderes?), kann man nicht absehen.

Thomas Knüwer, Vorzeigeblogger des HB, sprang locker von Qualitätsjournalismus über das vorhersehbare Ende der Yellow-Press (da die Celebrity-Interessierten jetzt z.B. mit Ashton Kutscher über Twitter direkt Kontakt halten) bis zur Abtötung des politischen Interesses in Deutschland durch den späten Helmut Kohl (?), welche wiederum die Ursache für das Fehlen eines maßgeblichen politischen Blogs à la Huffingtonpost sei… als Lösung forderte er die Medien auf, die Leser als Informanten mit einzubeziehen und sich grundsätzlich dem Dialog zu öffnen – um dann allerdings wenig später davor zu warnen, dass die Leitmedien aufpassen müssten, ihre ‘Gatekeeper-Funktion’ nicht zu verlieren. Eine etwas halsbrecherische, gleichwohl unterhaltsame Fahrt…

Man stimmte darin überein, dass es massive Veränderungen für die Printmedien geben wird, welche dies aber konkret sein werden, blieb ebenso im Ungefähren wie die Kernfrage, wie man denn nun irgendwann mit professionellem Journalismus auch im Internet Geld verdienen könne.

Was mir persönlich in der Diskussion fehlte, war der – aus meiner Sicht für die Definition von Journalismus absolut zentrale – Aspekt der Korrektheit und Glaubhaftigkeit von Nachrichten, und jener der Auswahl und Fokussierung. Gerade deshalb wird ja der vielgerühmte ‘Bürgerjournalismus’ den professionellen Journalismus nie ersetzen können: Weil ich mich beim Lesen eines seriösen Mediums darauf verlassen kann, dass die erzählten Geschichten tatsächlich stimmen, dass sie sauber recherchiert und mit mehreren Quellen gegengecheckt wurden, und dass mir mögliche Zweifel und offene Fragen auch mitgeteilt werden.

Gleiches gilt für die Vorauswahl, die beispielsweise eine Tageszeitung nun einmal trifft: Welche Themen kommen ins Blatt und werden wie gewichtet? Bei aller Liebe zur vielbeschworenen Individualisierung der Medien (Vision: jeder lässt sich morgens im Kiosk sein ganz persönliches Exemplar einer Medienmarke ausdrucken) – will ich wirklich selbst entscheiden, welche von vielen tausend Geschichten ich vorgesetzt bekommen möchte; oder lasse ich mich nicht viel lieber überraschen von gerne auch lateralen Themen, mit denen ich mich proaktiv vielleicht nicht beschäftigen würde, die mir aber durch einen sagenhaften Artikel in, sagen wir, der Süddeutschen Zeitung oder der FAS plötzlich interessant werden?

Für diese zwei Kernfunktionen von Journalismus, davon bin ich überzeugt, werden Menschen auch zukünftig Geld bezahlen. Es wird an den Medien(marken) sein, Wege zu finden, Bezahlformen zu finden, die den veränderten Lese- und Informationsgewohnheiten entsprechen.

So war denn wohl der größte gemeinsame Nenner des Abends, dass sich in Frankfurter Taxis der Fahrgast in der Regel besser in der Stadt auskennt als der Fahrer. Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen.

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized and tagged . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s