Statistik aus dem Kindergarten – wie NGOs die Öffentlichkeit für dumm verkaufen

So unnachgiebig die PR-Maschinen, die sich NGOs nennen, von Unternehmen allergrößte Detailtreue einfordern und minimale Abweichungen anprangern, so  nonchalant gehen sie mit eigenen „Daten“ um. Das ist hinlänglich bekannt.

Was allerdings der BUND heute im Rahmen einer eigens einberufenen Pressekonferenz (!) darbot, schlägt dem Fass den Boden aus.

Der reißerische Titel: „Glyphosat im Urin von Großstädtern aus 18 europäischen Staaten nachgewiesen. 70 % aller Proben in Deutschland belastet“.

SKANDAL! Was der Laie liest: 70% der Deutschen tragen das (implizit hinzugedacht: selbstverständlich hochgefährliche) Dingens namens „Glyphosat“ in sich. Entsprechend schneidig tritt die „Gentechnikexpertin“ des BUND, Heike Moldenhauer (was hat das Pflanzenschutzmittel eigentlich mit Gentechnik zu tun?), auf: “Was die zuständigen Behörden versäumen, haben wir getan“ (nämlich endlich mal eine belastbare Großstudie zur europäischen Glyphosatbelastung erstellen, darf man wohl hinzufügen). Weiter: „Unsere Analysen bestätigen den Verdacht, dass die Bevölkerung in Europa zu weiten Teilen mit Glyphosat belastet ist. Woher die Rückstände im Einzelnen kommen, muss endlich genau untersucht werden.“

Hubert Weiger, der BUND-Vorsitzende, legt noch einen drauf: “Es ist erschreckend, dass fast die Hälfte der Bewohner von Großstädten in Europa Glyphosat im Körper hat.“ Fast die Hälfte der Bewohner europäischer Großstädte!! Das ist schon eine satte statistische Aussage, die da von berufener Seite getroffen wird.

Was hat nun der BUND tatsächlich getan? Er ließ 182 – kein Tippfehler: Einhundertzweiundachzig – nicht näher demographisch beschriebene „Stadtbewohnerin – Atem anhalten:  18 Ländern Urinproben abgeben, die auf Glyphosatrückstände überprüft wurden.

Das sind durchschnittlich 9,3 Einwohner pro Land. Auf die deutsche Gesamtbevölkerung hochgerechnet, entspricht dies einer statistischen Stichprobe von 0,00001 Prozent. Und daraus werden dann allen Ernstes noch Subgruppen gezogen: 70% von 0,00001 Prozent der deutschen Bevölkerung sind betroffen. Und die Bulgaren sind weniger belastet als die Deutschen. Unfassbar.

Den stolzen Verweis darauf, es handle sich hier um „die erste Studie ihrer Art“, muss man wohl satirisch lesen – keine auch nur halbwegs seriöse Organisation würde sich mit einer derart lachhaften statistischen Basis in die Öffentlichkeit wagen.

Das gilt im Übrigen auch für die in dieser großartigen Analyse nachgewiesenen Rückstände. Auf die Frage eines Journalisten, ob denn die gemessenen Rückstände über den zulässigen Höchstwerten lägen, lautete die Antwort der BUND-Propagandisten: Nein.

Ich habe übrigens gerade eine statistische Erhebung in meiner Bürogemeinschaft vorgenommen – die erste ihrer Art! Von neun Befragten haben sieben keinen Hund.

Mache daher jetzt Schluss, denn es muss dringend eine Pressemitteilung raus: 20 Prozent der Deutschen sind Hundehasser!

http://bund.net/pdf/glyphosat_analyse

Advertisements
This entry was posted in Corporate Communications, Public Relations, Uncategorized and tagged , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Statistik aus dem Kindergarten – wie NGOs die Öffentlichkeit für dumm verkaufen

  1. Pingback: Foodwatch ist besser als das Gesetz | commscons

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s