Meinungsvielfalt bei der ARD

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Eine Grundregel professionellen journalistischen Arbeitens lautet, die Recherche zu einem Thema solle unvoreingenommen und ergebnisoffen sein. Audiatur et altera pars – auch die andere Seite muss gehört werden – gilt als Minimalanforderung; eine von vorneherein parteiische Auswahl von Quellen widerspricht dem journalistischen Ethos (und schadet, langfristig, der journalistischen Glaubwürdigkeit).

Gelegentlich kann man den Eindruck gewinnen, solche althergebrachten Codizes (deren Beachtung Journalisten, in vergleichbarer Weise, von Unternehmen gerne mit Verve als “Corporate Governance” einfordern) spielten in der täglichen Routine insbesondere der Öffentlich-Rechtlichen Medienmacher keine allzugroße Rolle mehr. Das vielzitierte Credo ihres berühmten Mentors Hanns-Joachim Friedrichs, der Journalist solle sich “nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten”, hat weitgehend ausgedient.

Wie sonst ist etwa dieses aktuelle Beispiel aus der ARD-eigenen Redaktion “W wie Wissen” zu erklären? Da wird – wieder einmal – dem Unkrautmittel Glyphosat nachgespürt. Ein Wirkstoff, zu dem es unzählige umfassende Studien gibt. Ein Thema, zu dem eine große Bandbreite von Experten und Institutionen – von staatlichen Stellen über Berufsverbände bis hin zu Landwirten, Agrarexperten und, ja, vielleicht sogar auch Herstellern – erhellende Aspekte beitragen könnte. Argumente gar, mit deren Hilfe sich das verehrte Publikum gegebenenfalls eine eigene Meinung bilden könnte

Stattdessen bietet der Staatssender auf der Sendungs-Website genau drei Verlinkungen: Eine zu den Öko-Aktivisten vom BUND;  einen zur mit der Öko-Aktivistenszene aufs Engste verbandelten Zeitschrift Öko-Test; und einen weiteren zum “Institut für unabhängige Folgenabschätzung”, dessen Geschäftsführer nach eigener Auskunft Grüner Landtagsabgeordneter in Bayern und Greenpeace-Experte für Landwirtschaft war.

Sieht so das Verständnis ausgewogener Recherche im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk aus?

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