Foodwatch ist besser als das Gesetz

Heute läuft auf Spiegel Online, wieder einmal, ein Artikel über eine der notorischen Foodwatch-Attacken auf die Lebensmittelindustrie.

Erstaunlich aus kommunikativer Sicht ist immer wieder, wie es dieser Organisation gelingt, mit Nicht-Nachrichten im klassischen Sinne doch erhebliche mediale Aufmerksamkeit zu erzielen. Berichtet wird nebulös, Foodwatch habe “in einer Untersuchung (…) verschiedene Produkte getestet, die mit Werbeaussagen zu Gesundheit und Wohlbefinden vermarktet werden.” Nähere Angaben zur Art der Versuchsanordnung fehlen wie üblich, umso unkritischer wird die aus dem “Test” folgende “Auffassung” (i.e., eine subjektive Meinungsäußerung) der selbsternannten Verbraucherschützer widergegeben: die EU-weite Health-Claims-Verordnung sei “gescheitert” (kleiner geht’s bei Foodwatch nie).

Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang an eine kürzlich veröffentlichte “Untersuchung” des BUND, der aufgrund einer Handvoll nicht näher spezifizierter Urinproben den kühnen Alarmismus aufstellte, zwei Drittel der Deutschen seien durch Glyphosat gesundheitlich belastet und daher müsse der (wissenschaftlich umfassend untersuchte) Wirkstoff verboten werden.

Man wundert sich schon, mit welcher Nonchalance Umwelt- und Verbraucherschützer wissenschaftliche Methodik mit Füßen treten, aus homöopathischen, häufig nicht einmal öffentlich gemachten Datenmengen die weitestreichenchenden Schlussfolgerungen ziehen, und damit problemlos durch sämtliche sonst so kritischen “journalstischen Filter” gleiten können. Konstant dabei ist auch die nicht gerade bescheidene Haltung, gesetzliche Vorgaben wie etwa Zulassungsverfahren schrumpften vor dem gestrengen Urteil der Aktivisten  zur bloßen Makulatur.

So auch wieder im aktuellen Fall: Selbst Foodwatch kommt nicht umhin, zu konzedieren, die bemängelten Produkte und ihre Werbeaussagen “erfüllten aus rechtlicher Sicht die Vorgaben der europäischen Health-Claims-Verordnung”. Sich an geltendes Recht zu halten aber ist, selbstverständlich, für böse Buben wie Lebensmittelkonzerne nicht ausreichend. Schwerer als als Gesetze nämlich wiegt die persönliche Meinung der Foodwatch-Leute, dass die Verbraucher halt “dennoch in die Irre” geführt würden.

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