Wille und Wirklichkeit

Unternehmenskommunikation in ideologisch aufgeladenen Themenbereichen ist eine ganz besondere Herausforderung. Das liegt unter anderem daran, dass die Wahrnehmung auf Verbraucherseite oft weniger durch Fakten als vielmehr durch „gelernte“ Einstellungen bestimmt wird, die sich wiederum stark aus kommunikativem Handeln von Interessengruppen speisen. Aufgrund stark emotional belegter „Gut-Böse“-Schemata findet eine differenzierte Argumentation kaum noch statt – beispielhaft seien Stichworte wie „Gentechnik“ oder „Fracking“ genannt.

Dass diese persönlichen Einstellungen bisweilen mit den (eigenen) gutgemeinten Zielen kollidieren, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Agrarkonzerns Syngenta. Sie entstand im Rahmen der Entwicklung einer strategischen Selbstverpflichtung des Unternehmens, einen Beitrag zu nachhaltigem Wachstum der globalen Landwirtschaft zu leisten.

Weltbevölkerung wächst um 200.000 Menschen täglich

Dabei geht es um eine der zentralen Zukunftsfragen der Menschheit – nämlich die Ernährung einer Weltbevölkerung, die nach Schätzungen in den kommenden 25 Jahren um rund zwei Milliarden Menschen auf insgesamt über neun Milliarden wachsen wird (derzeit kommen pro Tag 200.000 neue Erdenbürger dazu). Gleichzeitig werden, beispielsweise, durch Bodenerosion jährlich rund 7 Millionen Hektar Ackerland unbrauchbar – das entspricht etwa 60 Prozent der gesamten bewirtschafteten Ackerfläche in Deutschland.

Als Beitrag zur Lösung dieser Frage hat Syngenta einen globalen Aktionsplan für eine nachhaltige Steigerung der weltweiten Nahrungsmittelproduktion entwickelt, den „Good Growth Plan“, dessen Umsetzung in Deutschland jetzt beginnt.

Problem erkannt – Lösung verbannt?

Die vorangehende Befragung von knapp 8.000 Menschen in 13 Ländern hat gezeigt, wie unterschiedlich und teilweise widersprüchlich die Einstellungen und Erwartungen der Menschen sind.

Dabei sind sich alle weitgehend einig in der Grundthese, dass die Produktion von mehr Nahrungmitteln für eine wachsende Bevölkerung zu den wichtigsten globalen Herausforderungen des nächsten Jahrzehnts zähle – mit Zustimmungsraten zwischen 69 und 97 Prozent. Interessanterweise sehen die Befragten in Frankreich (69%), der Schweiz (79%) und Deutschland (80%) das Problem als am wenigsten gravierend an.

Hinsichtlich der Lösungsansätze dagegen zeigen sich signifikante Unterschiede unter anderem zwischen Befragten in reichen Ländern und solchen, die mit Armut und Nahrungsmittelknappheit zu kämpfen haben. In Indien, Indonesien oder Kenia plädieren zwischen 85 und 95% der Befragten dafür, neueste Technologien zur Steigerung der Erträge einzusetzen – etwa doppelt so viele wie in Deutschland (48%).

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass

Aber auch innerhalb einzelner Länder gibt es Haltungen, die widersprüchlich sind oder sich gegenseitig sogar ausschließen. In Deutschland sind knapp 30% der Befragten überzeugt, dass vor allem großformatige Landwirtschaft das Potential hat, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren – nur halb so viele trauen dies der organischen Landwirtschaft zu. Gleichzeitig aber wünschen sich drei Viertel der Befragten mehr organische und lokale Landwirtschaft – die nach eigener Einschätzung die nötigen Erträge ja gerade nicht liefern kann.

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