Löcher in der Chinesischen Mauer

chinesische-mauer

Wer Pressearbeit macht, weiß, dass es mit der Trennung von Redaktion und Werbung so eine Sache ist. Trotz des eindeutigen Gebots im Pressekodex des deutschen Presserats ist es gerade im Bereich der Fachmedien nicht vollkommen ungewöhnlich, dass gewisse Wechselbeziehungen zwischen gebuchten Anzeigen und gewährtem redaktionellem Raum eintreten. Ich persönlich halte die strikte Trennung (nicht zuletzt als Leser) für absolut zwingend, sehe aber gleichzeitig (und berate meine Kunden auch dahingehend), dass diese Medien sich natürlich auch finanzieren müssen. Anzeigen können (besser: müssen) ja auch ganz unabhängig von redaktionellen Kontakten geschaltet werden.

So unverblümt wie gestern allerdings bin ich, in immerhin mehr als zwanzig Jahren in der Branche, mit diesem Thema noch nicht konfrontiert worden. Da machte mir der Anzeigenverkäufer eines Fachverlags deutlich, dass man im Gegenzug für die in den vergangenen Monaten publizierte (zweifellos umfangreiche und positive) redaktionelle Berichterstattung über einen Kunden nun schon auch mal eine Buchung erwarte – garniert mit dem relativ eindeutig formulierten Hinweis, andernfalls werde das Unternehmen künftig redaktionell ignoriert. Es wurde auch angedeutet, dass man auf die für einen Teil der Berichte verantwortliche freie Redakteurin entsprechend einwirken werde.

Ich bin mir noch nicht sicher, was ich davon halten soll. Jedenfalls macht das Beispiel deutlich, dass es keineswegs immer die Kundenseite ist, die gerne mal ein paar Löcher in die “Chinesische Mauer” reißen möchte.

(Bild: http://www.chinesischemauer.net)

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2 Responses to Löcher in der Chinesischen Mauer

  1. Uwe Pagel says:

    Leider ist das immer öfter die Regel als die Ausnahme. Das haben auch die KollegInnen bei blog-n-relations festgestellt und dies gleich mehrfach in einer kleinen Serie beschrieben http://blog.press-n-relations.de/tag/pressekodex/

  2. Rebecca Hasert says:

    Durch dieses “Tal der Tränen” muss wohl jeder PR-Schaffende früher oder später gehen. Ich selbst blicke auf 10 Jahre Erfahrung mit der Fachpresse zurück, wobei bereits ein Praktikum 2003 sowie das Volontariat (beides in der Pressestelle von großen Unternehmen) in dieser Hinsicht sehr ernüchternd waren. Es handelt sich also um keine Erscheinung der neueren Zeit, aber der Trend hat sich ganz klar verstärkt.

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