Mit dem Zweiten wird die Nase länger

Dishonest Liar

Viel ist geschrieben worden über den aus Gebührengeldern bezahlten Betrug des ZDF in seiner Show „die Besten“ – wenn auch bislang ohne irgendwelche, vom Sender halbherzig angedeutete „Konsequenzen“.

Neben den moralischen und medienpolitischen Implikationen ist auch der kommunikative Umgang des Senders mit dieser Krise bemerkenswert.

Gegenüber Unternehmen und Organisationen in ähnlicher Lage können ja Journalisten gar nicht kritisch genug auftreten – so etwa in der Anmoderation eines Beitrags in Frontal21 am 6. Mai zum ADAC-Skandal: „Wohl kein anderer Verein in Deutschland hat aus seiner vermeintlichen Uneigennützigkeit so viel Kapital geschlagen wie der Automobilclub. Dabei sind die Gelben Engel vom Pannendienst keinesfalls himmlisch. Mit ihren Tricks, zum Schaden der Autofahrer, gebärden sie sich irdisch, sogar unterirdisch.“

(Man ersetze spaßeshalber „ADAC“ durch „ZDF“, „vermeintliche Uneigennützigkeit“ durch „Demokratieabgabe“, etc.…).

Selbst betroffen, geht der Sender allerdings nonchalant den klassischen Weg ins Krisenkommunikations-Desaster: Krise zunächst ignorieren, dann kleinreden; Verantwortung abschieben; und schließlich scheibchenweise unter Druck (in diesem Falle der nichtstaatlichen Medien) immer weitere Aspekte preisgeben – bis am Ende das Vertrauen komplett verspielt ist.

Stefan Niggemeier hat am 11. Juli den Verlauf zusammengefasst:

„(…) das ZDF (hat) die Öffentlichkeit wiederholt falsch über die Umstände des Votings informiert (…). Die Darstellung in der Pressemitteilung [vom 11. Juli 2014] widerspricht der vorherigen Pressemitteilung, die wiederum der vorherigen widersprach — und das sind nur die Varianten nach den ersten Zweifeln an dem Voting.

Im Mai hatte das ZDF behauptet, dass das Publikum auf der Grundlage einer von Forsa repräsentativ ermittelten Auswahl von je 100 Männern und Frauen online abstimmen könne. Tatsächlich hatte der Sender zu diesem Zeitpunkt längst eine zweite Forsa-Umfrage durchführen lassen, von der aber öffentlich noch nicht die Rede war. In der ersten Sendung sprach Kerner von einer Kombination von Forsa-Umfrage und Internet-Abstimmung; am Anfang der zweiten Sendung ließ er das Internet weg.

Am Wochenende nach der Sendung sagte das ZDF, das Ranking sei allein durch zwei Forsa-Umfragen zustande gekommen. Am vergangenen Dienstag sagte Unterhaltungschef Oliver Fuchs, es seien „Ergebnisse des Zuschauer-Votings mit den Ergebnissen der Forsa-Umfrage vermischt“ worden. Nun ist von den Zuschauer-Votings keine Rede mehr, sondern nur noch von einer gezielten Manipulation der Forsa-Zahlen.“

Man darf gespannt sein, was da noch alles kommt.

Bild: Fotolia

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